Quelle:

 Prof. Hubert Gindert ist Vorsitzender des Forums Deutscher Katholiken

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Inszenierung eines Tribunals im Skandalinteresse der Medien

Nachdem Dr. Wastl als Ermittler und Ankläger fungiert hatte, spielte er sich nun als Richter auf mit dem Urteil: „Benedikts Einlassung ist wenig glaubwürdig“. Obgleich die Bewertung sehr zurückhaltend formuliert war, verstanden es die Zuhörer wohl als Schuldurteil über den emeritierten Papst.

Die Selbststilisierung des Vortrags als dramaturgisch legt nahe, dass die Präsentation des Gutachtens als Inszenierung eines Tribunals über die katholische Kirche im Allgemeinen und Papst em. Benedikt im Besonderen angelegt war. Jedenfalls wurde das Skandalinteresse der Medien bedient:

Die Moderatorin der Gutachtenvorstellung, Barbara Leyendecker, zitierte gleich zu Anfang eines der pauschalen Urteile der Journalistin Christiane Florin, die vielfach mit ihren überzogenen Beiträgen kein gutes Haar an der Kirche lässt. Demnach sei die Kirche ein „Verantwortungsverdunstungsbetrieb“. In ihr würden die ethischen Grundsätze unter einem spirituellen Nebelschleier sowie mit amtstheologischen und juristischen Felsbrocken begraben. Damit setzte die Moderatorin den Interpretationsrahmen für die folgenden Ausführungen: die Darstellung der begutachteten Missbrauchsfälle im Sinne der medialen Schuldvermutung zu verstehen, das einzelnes Fehlverhalten von Bischöfen als Beleg für die Schuldgeschichte der Kirche anzusehen.

In ihrem allgemeinen Einführungsbeitrag zum Gutachten bestärkte Dr. Marion Westphal dieses Framing, indem sie als „erschreckende Phänomene“ skandalisierte, was im schriftlichen Gutachten sachlich nüchtern und fachlich korrekt als „pflichtwidriges bzw. unangemessenen Verhalten“ von kirchlichen Führungskräften bezeichnet wird. Dr. Ulrich Wastl begann seinen Vortrag, der in dem Schuldspruch gegen Benedikt endete, mit dem Skandalwort von der „Bilanz des Schreckens“. Damit waren Assoziationen gesetzt von der Kirche als Schreckenskammer oder gar Schreckensherrschaft.

Die Medien verstanden den Wink von Wastl. DPA titelte: „Bilanz des Schreckens. Gutachten belastet Benedikt“. Der Spiegel setzte wie immer noch eins drauf: „Irreparabler Schaden durch Benedikt“. Ein Tagesspiegel-Redakteur glaubte zu wissen, dass „Ratzinger sein Leben in Schande beschließen werde“.

Bild und FAZ einig in der Bezichtigung der vorsätzlichen Lüge

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Siehe dazu auch:

 

 

 

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