'...............
Don Camillo und Peppone sind weltbekannt. Ihr Schöpfer Giovannino Guareschi ist es nicht. Der deutsch-italienische Journalist Marco F. Gallina hat nun die erste deutschsprachige Biografie über den „Autor des Gewissens“ vorgelegt.
Ein Interview
................
„Das Herz der christlichen Religion findet sich nicht in Bischofsbeschlüssen und theologischen Diskussionen, sondern in der Volksfrömmigkeit“
In Ihrem Buch schreiben Sie, weit relevanter als Italiens Nord-Süd-Gefälle sei die Trennung zwischen dem Heiligen und dem Profanen. Hat das post-guareschische Italien abseits Roms noch die Kraft für das Sakrale und allem, was daraus folgt? Man denke an die Geburtenrate, die eine der niedrigsten des eh schon schwachen Europas ist.
Das siebte Jahrhundert war in Italien sowohl demografisch wie auch religiös – man vergisst leicht, wie lange der Arianismus Europa im Griff hatte – eine deutlich angespanntere Zeit. Die Kraft der italienischen Frömmigkeit hat seitdem immer wieder ihren Aufstieg und Niedergang erlebt – so mussten die iro-schottischen Missionare oder die cluniazensische Reformbewegung häufiger im Heimatland der römischen Kirche nachhelfen. Im Hochmittelalter hat dagegen Franz von Assisi die ganze christliche Welt erschüttert. Sein Tag wird in Italien bald wieder Nationalfeiertag sein. Denn das Herz der christlichen Religion findet sich nicht in Bischofsbeschlüssen und theologischen Diskussionen, sondern in der Volksfrömmigkeit. So hat es übrigens auch Guareschi gesehen. Mit Carlo Acutis und Pier Giorgio Frassati wurden zwei junge Italiener heiliggesprochen. Die Apologetik der Kirche besteht zu einem großen Teil aus ihren Heiligen und ihrer Kunst, um ein Wort von Benedikt XVI. abzuwandeln. In dieser Hinsicht ist die letzte Messe in Italien noch nicht gelesen.
..................
Stichwort Kirchenkrise: Guareschi hat viel vorhergesehen, er war beispielsweise nicht einfach nur ein Kritiker des Zweiten Vatikanischen Konzils, sondern entlarvte es als Intellektuellenveranstaltung, das wenig mit Volksnähe zu tun hatte. Was hat er seinerzeit als Lösung angeboten?
Don Camillo ist bereits die Antwort. Er ist ein vorkonziliarer Priester, wie ihn sich das Konzil gewünscht hätte. Er hat ein Auge für die Wirklichkeit und für die Menschen in seiner Umgebung – Landpfarrer wie ihn gibt es übrigens immer noch. Don Camillo hat jede Mode, jeden Zeitgeist und auch sein eigenes Handeln – mit etwas Hilfe von oben – hinterfragt, ohne dabei die Grundüberzeugungen des katholischen Glaubens anzutasten. Dass Don Camillo am Ende selbst zu einem „subversiven“ Priester wird, ist daher zwangsläufig. Er wäre auch den „Synodalen“ ein Dorn im Auge gewesen, obwohl ja gerade die von sich sagen, besonders volksnah zu sein. Das Paradoxon hat Guareschi schon in den 1960ern vorhergesehen.
Was ist die tonangebende Ideologie von heute? Welchem Thema würde sich Guareschi heute in einem weiteren Don-Camillo-Band widmen?
Dem Transhumanismus. Denn der ist nichts anderes als eine Weiterentwicklung der Idee des „Neuen Menschen“, die er schon von den Totalitaristen seiner Zeit kannte.
...............'
Quelle: