Denn US-amerikanische Christusbilder gibt es mindestens zwei. Und sie ähneln sich nicht.
Das erste ist jenes von Barton: edel in seiner Verzerrung, beinahe rührend in seinem anthropologischen Optimismus. Es ist der Christus, der zur Grammatik des Handelns wird, der das Evangelium in moralische Energie verwandelt, der die Seligpreisungen wie ein Handbuch der Führung liest. In diesem Ansatz steckt etwas zutiefst Protestantisches. Und, man muß es zugeben, auch etwas aufrichtig Tugendhaftes. Die USA, die Krankenhäuser, Universitäten und philanthropische Organisationen errichten, nähren sich aus dieser Vorstellung. Michael Novak, der beide Seiten des Atlantiks gut kannte und ein intellektueller Brückenbauer zwischen beiden Seiten war, sah darin eine authentische Form der Persönlichkeitsentwicklung: den Markt als Schule der Tugend, das Unternehmen als Berufung.
Es ist nicht die katholische Tradition, aber es ist eine Tradition. Sie hat ihre eigene innere Logik.
Der zweite Christus ist etwas anderes. Es ist jener, den Trump mit dem „gerechten Krieg“ beschworen hat, oder als er auf Truth ein KI-generiertes Bild veröffentlichte, das ihn mit Zügen zeigte, die an Jesus erinnerten. Das Bild wurde nach einer Welle der Kritik wieder gelöscht, doch der Impuls war bezeichnend. Es ist der Christus der nachträglichen Legitimation, der Christus, der herbeigerufen wird, um zu segnen, was bereits entschieden worden ist.
Ein Christus, der kein Lehrer ist, dem man nacheifert, sondern ein Siegel, das man unter ein bereits vom Menschen verfaßtes Dossier setzt.