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Wache Zeitgenossen suchen nach der Wahrheit

Was ist Wahrheit? Ist es das, was wirkt, oder soll es wirken, weil es wahr ist? Tatsächlich kann man den großen, jetzt wieder auflebenden Ideologien der vergangenen Jahrhunderte die Wirksamkeit nicht absprechen. Aber erst aus ihren katastrophalen Wirkungen zu lernen, daß es sich um schreckliche antichristliche Lebenslügen gehandelt hat, immunisiert nicht vor neuen ideologischen Irrtümern. Wer spätestens 1989 dem quasireligiösen Sozialismus abschwor, neigt der irrigen Vorstellung zu, auch das Christentum müsse seinen Wahrheitsanspruch aufgeben.

Die linksliberale Ideologie ist in Europa gerade dabei, sich als „Diktatur des Relativismus“ (Joseph Ratzinger) zu etablieren. Die alte Pilatus-Frage „Was ist Wahrheit?“ geht uns aber immer noch nach, wenigstens den wachen Zeitgenossen, die nach Wahrheit suchen. Deren letzten Grund mögen sie in Gott finden, in einem liebenden Gott, der in seinem menschgewordenen Sohn selbst den Anspruch erhebt, „der Weg, die Wahrheit und das Leben“ zu sein.

Aber was geht der gläubige Anspruch den vielbeschworenen „Menschen von heute“ an? In der postmodernen, postfaktischen Philosophie wird die Wahrheitsfrage fein säuberlich ausgeklammert, ihr geht es vornehmlich um individuelle Meinungen, also um den Pluralismus von Ansprüchen und Interessen.

Die Erlösungsbotschaft sträubt sich gegen politische Vereinnahmung

Was man für Freiheit hält, steht jedenfalls vor der Wahrheit. Was von der Wahrheit übrigbleibt, ist allenfalls die Schwundform subjektiver Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit. Immerhin. Was aber „die“ Freiheit, die „wahre“ Freiheit bedeutet, bleibt fragwürdig. Wenigstens das. 

Die Frage nach dem gemeinsamen Grund und Sinn der Freiheiten, die sich oft gegenseitig im Wege stehen, und nach dem Wertefundament einer freiheitlichen Ordnung ist aktueller denn je.

Und es gibt in Deutschland sogar eine verfassungsrechtlich verbindliche Antwort darauf.

Es ist die grundgesetzliche Aussage über die unantastbare Menschenwürde.

Ihr kommt – auch juristisch gesagt – eine „Ewigkeitsgarantie“ zu. Und mit ihr kommt ein kultur- und geschichtsübergreifendes Wahrheitskriterium der Moral und des Rechts zur Geltung, das sich vorrangig der Wirkungsgeschichte des Christentums verdankt.

Es geht um die Würde der menschlichen Person, um ihre Gottebenbildlichkeit im Rahmen einer Familie und eines Volkes. Und schließlich um Christus als den „neuen Menschen“. Der ist kein politischer Messias gewesen, sondern wegen dieses Mißverständnisses gekreuzigt worden. Seine Erlösungsbotschaft sträubt sich gegen jede politische Vereinnahmung.

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Dr. Wolfgang Ockenfels, Dominikanerpater,
ist Publizist und Professor für christliche Sozialethik an der Theologischen Fakultät Trier.

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