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Übersetzung : Giuseppe Nardi

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Westrom ging unter, weil Christen nur kleine Minderheit waren

De Jaeghere wiederholt vor allem, was der Fachwelt der Historiker bestens vertraut ist, wenn auch manchmal von Propagandisten des Atheismus und Nostalgikern des Heidentums geleugnet wird, die in Frankreich vielleicht verbreiteter und aufdringlicher als anderswo sind. Das Römische Reich ging nicht wegen des Christentums zugrunde. Die These, laut der die Christen mit ihrer Botschaft der Liebe und des Friedens die Wehrbereitschaft des Reiches gegen die Germanen geschwächt hätten, sieht man von heidnischen Polemikern der ersten Jahrhunderte wie Kelsos ab, wurde durch die Aufklärung verbreitet, von Voltaire und dem englischen Historiker Edward Gibbon. Wie De Jaeghere erinnert, ist diese These jedoch völlig falsch. Am Beginn des fünften Jahrhunderts waren nur zehn Prozent der Bewohner des Weströmischen Reiches Christen, während sie im Oströmischen Reich die Mehrheit stellten. Es ist das Oströmische Reich, das den Angriffen widerstand und das Weströmische Reich um tausend Jahre überlebte. Und es sind die zehn Prozent Christen im Westen, die Rom und seine Kultur am Leben zu erhalten versuchen mit ihren Bischöfen und Intellektuellen wie Ambrosius und Augustinus, aber auch als Generäle, die bis zum äußersten kämpfen wie Stilicho, der Sohn einer Römerin und eines Vandalen, der römisches Bürgerrecht erworben hatte, oder Aetius, die mit vielen christlichen Soldaten heroische Waffentaten vollbrachten.

Nachdem diese Dummheiten über das Christentum ausgeräumt sind, bleibt die Frage, wie aber das immense Römische Reich untergehen konnte. Heute sind die Historiker sehr vorsichtig geworden mit dem Umgang des Begriffs „Dekadenz“. Es stimmt, daß auf dem Gebiet des heutigen Italien in den letzten Jahrhunderten des Reiches zweihunderttausend Familienoberhäupter das Recht auf kostenlose staatliche Verköstigung hatten, gleichgültig ob sie einer Arbeit nachgingen oder nicht. Ebenso stimmt es, daß die berufstätigen römischen Bürger, das Militär ausgenommen, 180 arbeitsfreie Tage im Jahr hatten, an denen sie sich häufig an grausamen und zweifelhaften öffentlichen Spektakeln erheiterten. Über diese Dekadenz klagten Schriftsteller und Philosophen bereits zur Zeit Jesu, vierhundert Jahre vor dem Fall des Reiches, als Rom seine Schlachten noch gewann.

Auf die Bezeichnung „Dekadenz“ könne man dennoch nicht leicht verzichten, empfiehlt De Jaeghere. Dabei ist die Anmerkung zahlreicher Historiker zutreffend, eine monokausale Erklärung des Untergangs des Weströmischen Reiches als ideologische Sichtweise zu sehen. Das bedeutet aber nicht, daß das Ereignis nicht erklärbar ist. Ganz im Gegenteil. De Jaeghere spricht von einem „Prozeß“, der die verschiedenen vorgeschlagenen Erklärungen untereinander verbindet.

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Der Unterschied: Germanen damals waren nicht wie Moslems heute

Die Lehren aus De Jaegheres Buch für unsere heutige Welt sind naheliegend. Bei aller Vorsicht, die jeder Vergleich zwischen unterschiedlichen Epochen verlangt, zeigt der Untergang Roms, wie große Zivilisationen enden können und daß die Art ihres Endes normalerweise demographisch ist. Die Imperien stürzen, wenn sie keine Kinder mehr zeugen und die Kinderlosigkeit eine teuflische Spirale aus untragbaren Steuern, Staatsdirigismus, ungezügelter Einwanderung und letztlich „wehrlosen“ Armeen nach sich zieht. Um die Stichhaltigkeit der römischen Parabel für unsere Tage zu verstehen, bedarf es nicht vieler Bücher. Es genügt die Fenster zu öffnen und sich umzuschauen.

Zu einem Punkt allerdings können De Jaegheres Kritiker eine gewisse Berechtigung geltend machen. Die Einwanderer und Eroberer Roms hatten einen Vorteil gegenüber den Einwanderern und „Eroberern“ von heute. Zum größten Teil Germanen besaßen sie eine beachtliche Ethik, aber keine starke religiöse Kultur. Das ermöglichte eine ganze neue Synthese. Sie erkannten die Überlegenheit der römischen Kultur an, versuchten sie sich anzueignen und bekehrten sich schnell, meist noch während der Völkerwanderungszeit zum Christentum. Nur nebenbei sei erwähnt, um an den Anfang anzuknüpfen, daß der erste Schritt dazu im arianischen Christentum durch Ostrom geschah. Westrom sollte es dann zufallen, sie zur Katholizität zu bekehren. Durch Jahrhunderte aus Blut und Tränen bereitet der Untergang Westroms das Entstehen des christlichen Mittelalters.

Heute sind die Einwanderer und „Eroberer“ – wirtschaftliche Eroberer mit Petrodollars oder angehende bewaffnete Eroberer im Dienst des „Kalifen“ – Träger einer sehr starken religiösen Kultur, der islamischen (aus dem fernen Osten dringt auch ein chinesisches Echo). Sie denken nicht daran, sich zu integrieren und unsere Kultur anzunehmen, sondern wollen uns von der Überlegenheit ihrer Kultur überzeugen. Die Krise, die daraus folgen könnte, könnte für Europa tödlicher sein, als der Untergang Roms. Aus diesem Grund ist die Diskussion über den Niedergang des Weströmischen Reiches keineswegs nur eine intellektuelle Gedankenübung.

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